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«Dem Menschen sind in seiner Vorstellung keine Grenzen
 
gesetzt ausser denen, die er sich selbst setzt
 
Richard F. Estermann

John Mc Enroe und Ivan Lendl

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Auf den ersten Blick scheint es, dass Ungerechtigkeit auch im Sport zuhause ist. Es gibt Athleten die haben Talent, das ist eine Gabe, ein Geschenk des Himmels. Im Gegensatz dazu gibt es Sportler, welche eine Technik von Grund auf mühsam erlernen müssen. Das bedeutet Arbeit und tägliches Training. Beides, Talent und Technik können zum sportlichen Erfolg führen. Entscheidend ist letztlich die mentale Stärke eines Athleten! Das heisst, wie ich Technik und Talent im Wettkampf umsetze, wie ich meine Stärken einsetze, mit Druck umgehe, ob ich in der Lage bin, mich 100%-ig zu konzentrieren.

Viele denken bei dieser Betrachtung an die Tennis-Legenden John Mc Enroe und Ivan Lendl. Die beiden Stars konnten gegensätzlicher nicht sein. Während der begnadete Mc Enroe mit Talent gesegnet und alles andere als fleissig war, musste Ivan Lendl für den Erfolg kämpfen und hart arbeiten. Beide Athleten kamen aber an ihr Ziel: Mc Enroe gewann sieben Grand-Slam-Titel und war 170 Wochen lang die Nr. 1 der Welt. Ivan Lendl schaffte acht Titel und war 270 Wochen an der Spitze der Weltrangliste!

In einem Wettkampf ist es auch ausserordentlich wichtig, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten oder richtig einzusetzen. Schon der grosse «Mental-Lehrer» Oscar Schellbach sagte: «Emotionen lassen uns siegen oder untergehen!» Positive Emotionen führen uns zum Sieg, negative in die Niederlage.

John Mc Enroe könnte darüber ein Lied singen. Immer wieder rief er während einem Match aus, haderte mit den Schiedsrichtern oder zerlegte den Schläger. Und scheiterte damit oft an seinen eigenen, unkontrollierten Emotionen...

Mit Druck umgehen

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Die Leichtathletik- WM in London ist längst Geschichte. Sie hat aber erneut gezeigt: Auch Weltmeister und Weltrekordinhaber konnten nicht die von ihnen erwartete Leistung erbringen. Es geht deshalb nochmals um das Thema «Choking under pressure», also um ein Leistungsversagen unter Druck, das bei Grossanlässen immer wieder beobachtet wird. Athleten sprechen nicht gerne darüber, denn es geht um Versagensängste, Befürchtungen, Verkrampfungen. Doch Verdrängen bringt gar nichts.

Das Problem sitzt tief und lässt sich nicht in zwei Sätzen abhandeln. Deshalb traf ich einige Sportler persönlich zum Gespräch, nachdem ich aufgrund einer Kolumne zu diesem Thema viele Anrufe erhielt.

An einem Grossanlass wie der Olympiade oder einer WM gewinnt immer derjenige, dem es gelingt, am Wettkampftag unter den gegebenen Bedingungen und Voraussetzungen seine Höchstleistung zu erbringen. Das ist aber nur mit einer langfristigen und richtigen Vorbereitung möglich. Von besonderer Bedeutung ist dabei der mentale Aspekt, handelt es sich doch bei den erwähnten leistungshemmenden Mechanismen um eine reine «Kopfsache». Der vierfache Olympiasieger Mo Farah sagte in einem Interview nach seinem Sieg über 10'000m, er habe diesen Lauf im Voraus mehr als hundert Mal visualisiert. Visualisierung ist eine hervorragende Technik – es müssen aber dabei unbedingt einige Punkte beachtet werden, damit der gewünschte Erfolg eintritt. Auch das Simulieren von «Drucksituationen», Selbstgespräche u.a. helfen, mit einer ungewohnten Situation umzugehen und die Folgen eines «Choking under pressure» niedrig zu halten.

Schwinger Christian Stucki: Mental stärker

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Unspunnen-Schwinget 2017 in Interlaken. Schon Wochen vor dem Grossereignis wurde über mögliche Szenarien und über Favoriten spekuliert. Immer wieder wurde auch der 32-jährige Berner Christian Stucki genannt. Für den traditionsreichen und prestigeträchtigen Schwinget, der nur alle sechs Jahre stattfindet, war auch für mich der 1.98 Meter grosse und 150kg schwere Athlet absoluter Favorit.

Stucki galt in Schwingerkreisen schon lange als grosses Talent und er errang am Kilchberg-Schwinget 2008 seinen wichtigsten Sieg. Christian Stucki gilt als sympathischer, ruhiger und fairer Typ, hatte aber immer das Image eines «gutmütigen Riesen». Er packe seine Gegner zu sanft an, es fehle ihm an Kampfgeist, an Ehrgeiz und am notwendigen «Biss», wurde gesagt.
Dieses Jahr machte er aber mit beachtlichen Leistungen auf sich aufmerksam und als ich am Morgen des Festtages vor dem Fernseher sass und Christian Stucki beobachtete, war mir sofort klar: Etwas ist bei ihm anders geworden! Stucki wirkte ruhig, sehr konzentriert und entschlossen. Seine Körpersprache zeigte ein ganz anderes Bild, als man es von ihm gewohnt war und seine nachfolgenden Siege mit der Maximalnote 10 bestätigten dies.

Im Schlussgang trumpfte der Gigant nochmals gross auf und zeigte, dass er auch eine Minute vor Schluss noch in der Lage ist, einen gegnerischen Angriff erfolgreich zu parieren und den Wettkampf für sich zu entscheiden.

Was hat sich bei Stucki positiv geändert? Er ist explosiver und flinker geworden, technisch besser und mental stärker. Dank einem Mentaltrainer mutierte Stucki vom sanften Riesen zum «bösen Bären».

Valentino Rossi – Superstar!

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Diese Kolumne widme ich einem der seltenen Superstars, nämlich dem italienischen GP-Motorradrennfahrer Valentino Rossi. Er gehört mit neun Weltmeistertiteln – zusammen mit Giacomo Agostini – zu den erfolgreichsten Piloten aller Zeiten. 115 GP- Siege hat er bis dato nach Hause gefahren - ein einsamer Rekord! Valentino Rossi hat mit seinem Einsatz wie kein anderer dafür gesorgt, dass die Moto- GP- Weltmeisterschaft enorm an Bedeutung gewann. Aber er ist nicht nur ein exzellenter Rennfahrer, sondern auch eine faszinierende Person. Seine oft spektakuläre Fahrweise und sein publikums-wirksames, extrovertiertes Verhalten, machten ihn zum beliebtesten Sportler Italiens und in der ganzen Welt zum bewunderten Medienstar. Privat ist Rossi ein geselliger, unkomplizierter Star zum Anfassen, der auch Partys liebt und gerne die Freizeit mit Freunden verbringt.

Wenn 100'000 Besucher zu einem Motorrad-GP anreisen, kommt die Hälfte wegen Valentino Rossi, sagt man. Sie wollen den Yamaha- Fahrer mit der legendären Nr. 46 persönlich sehen und ihm zujubeln. Sie wollen sehen, wie der Mann mit dem Spitznamen „The Doctor“ lebt und kämpft. Und so, wie es sich für eine lebende Legende gehört, gibt Rossi niemals auf. Nach seinem schweren Sturz 2010 in Mugello, mit einem doppelten, offenen Schienbeinbruch, war er sechs Wochen später am Sachsenring wieder am Start und erreichte den vierten Platz!

Mit 18 Jahren gewann Rossi zum ersten Mal den GP der Niederlande in Assen. Einige seiner heutigen Herausforderer lagen damals noch fast in den Windeln! Heute, 20 Jahre später, gewinnt Rossi den gleichen GP zum zehnten Mal...

Mentale Stärke – Der Schlüssel zum Erfolg

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Unter diesen Titel stellte der österreichische Coach der Frauen- Nationalmannschaft (ÖFB), Dominik Thalhammer ihren Sieg an der Fussball-EM über die favorisierten Spanierinnen im Elfmeterschiessen. Die ÖFB- Frauen zeigten Nervenstärke, waren fokussiert und generell locker drauf. Beste Voraussetzungen für ein Penaltyschiessen!

Die Medien überschlugen sich anschliessend mit Lobeshymnen, wie: „Mit mentaler Stärke zur Sensation!“ Hauptgrund des unerwarteten Sieges sei das seit Jahren praktizierte mentale Training, sagte Coach Dominik Thalhammer und betonte: „Es ist genauso wichtig, wie das Training auf dem Platz!“ Man habe sich mit der Situation eines Penalty-Schiessens auseinandergesetzt und für jede Spielerin einen Plan erstellt, wie der Elfmeter geschossen werden soll...

Im Halbfinale gegen Dänemark funktionierte aber die Strategie des ÖFB beim erneuten Penaltyschiessen nicht mehr und das „Fussball-Märchen“ der Österreicherinnen fand ein abruptes Ende. Warum? Alles war anders: Der extreme Druck der Medien und der Öffentlichkeit, waren nach dem Überraschungserfolg gegen Spanien zu gross. Dazu kam die eigene, hohe Erwartungshaltung nach dem Motto: „Wir sind bereit für eine weitere Sensation!“ Die Entscheidung fiel eigentlich schon in der 13. Minute, als Puntigam einen Elfmeter verschoss. Grundsätzlich wäre das der Siegestreffer gewesen... Die Lockerheit ging damit definitiv verloren. Nervosität kam auf und vermehrt stellten sich Fehlpässe ein. Die Niederlage der ÖFB- Damen war letztlich ein klares Leistungsversagen, ein „Choking under pressure“. Mehr darüber in einer der nächsten Kolumnen.